Das Buch Mormon kommt hervor
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Der Engel Moroni erscheint
Am Abend des 21. September 1823, drei Jahre nach der ersten Vision, betete Joseph Smith zum Herrn, er möge ihm seine jugendlichen Torheiten vergeben, und bat um weitere Weisung. Als Antwort sandte der Herr einen himmlischen Boten, der Joseph unterweisen sollte. Joseph schrieb:
- Er nannte mich beim Namen und sagte zu mir, er sei ein Bote, aus der Gegenwart Gottes zu mir gesandt, und heiße Moroni; Gott habe eine Arbeit für mich; mein Name werde bei allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen für gut oder böse gelten, ja, man werde unter allem Volk sowohl gut als auch böse von mir sprechen.
- Er sagte, es sei ein Buch verwahrt, auf goldenen Platten geschrieben, und darin sei ein Bericht über die früheren Bewohner dieses Erdteils und ihre Herkunft zu finden. Er sagte weiter, in dem Buch sei die Fülle des immerwährenden Evangeliums enthalten, wie es der Erretter jenen Bewohnern einst gebracht habe. [1] (Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:33,34)
Moroni war der letzte Prophet gewesen, der an jenen alten Aufzeichnungen geschrieben hatte. Er hatte sie auf das Gebot des Herrn hin im Hügel Cumorah vergraben – zusammen mit dem Urim und Tummim, der von den Propheten in alter Zeit benutzt worden war und den Joseph für die Übersetzung des Berichtes benutzen sollte. Der Engel wies Joseph an, zu dem nahegelegenen Hügel zu gehen, und teilte ihm viel Wichtiges über das Werk des Herrn in den Letzten Tagen mit. Er sagte Joseph, er dürfe die Platten, nachdem er sie erhalten habe, niemandem zeigen, außer der Herr gebiete es ihm. In jener Nacht kam Moroni noch zweimal zu Joseph Smith und am darauffolgenden Tag ein weiteres Mal. Bei jedem Besuch wiederholte er seine wichtige Botschaft und fügte weitere Punkte hinzu.
Einen Tag nach dem Erscheinen des Engels ging Joseph Smith, wie es ihm aufgetragen worden war, zum Hügel Cumorah. Joseph schreibt darüber:
- An seiner Westseite, nur wenig unterhalb der Kuppe, lagen die Platten unter einem Stein von beträchtlicher Größe. Sie waren in einem steinernen Behälter gelagert. Der Stein war an der Oberseite abgerundet, dick in der Mitte und gegen den Rand hin dünner, so daß der mittlere Teil über dem Erdboden sichtbar war; der Rand rundum war in der Erde eingebettet.
- Nachdem ich die Erde entfernt hatte, suchte ich mir einen Hebel, setzte ihn unter dem Rand des Steines an und hob ihn ohne viel Anstrengung hoch. Ich schaute hinein, und da sah ich tatsächlich die Platten, den Urim und Tummim sowie den Brustschild, ganz so, wie der Bote es gesagt hatte. (Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:51,52)
Der Engel Moroni erschien und gebot Joseph Smith, ihn in einem Jahr zur selben Zeit an derselben Stelle zu treffen. Diese jährlichen Zusammenkünfte würden stattfinden, bis die Zeit gekommen war, daß Joseph die Platten erhalten sollte. Bei jedem seiner Besuche unterwies Moroni ihn weiter über das, was der Herr vorhatte, und wie sein Reich geführt werden sollte. (Joseph Smith — Lebensgeschichte 1:27-54).
Die Übersetzungsarbeit
Nachdem Joseph Smith vier Jahre lang darauf vorbereitet worden war, übergab ihm Moroni am 22. September 1827 die goldenen Platten, die das Buch Mormon enthält, und trug ihm auf, mit der Übersetzung zu beginnen. Emma Hale, die Joseph in dem Jahr geheiratet hatte, begleitete ihn. Sie wartete unten am Hügel Cumorah, bis ihr Mann mit den Platten zurückkam. Sie wurde dem Propheten eine wichtige Hilfe und diente für kurze Zeit als Schreiberin des Buches Mormon.
Der Mob am Ort versuchte wiederholt, die goldenen Platten zu stehlen. Deshalb mußten Joseph und Emma Smith ihr Haus in Manchester, New York, verlassen. Sie fanden Zuflucht im Haus von Emmas Vater, Isaac Hale, der in Harmony, Pennsylvania, wohnte, das etwa 180 km südöstlich von Manchester liegt. Hier begann Joseph mit der Übersetzung der Platten. Der wohlhabende Farmer Martin Harris, ein Freund des Propheten, half ihm dabei und wurde sein Schreiber.
Martin fragte Joseph, ob er die 116 Seiten übersetzten Text nach Hause mitnehmen und seiner Familie zeigen dürfe, um zu beweisen, daß das Werk, an dem sie arbeiteten, wahr ist. Joseph bat den Herrn um Erlaubnis, aber die Antwort lautete nein. Martin ersuchte Joseph, den Herrn nochmals zu fragen, was Joseph zweimal zögernd tat. Schließlich erhielt er die Erlaubnis. Martin gelobte, das Manuskript nur bestimmten Leuten zu zeigen, aber er brach sein Versprechen, und die Manuskriptseiten wurden gestohlen. Joseph war wegen dieses Verlusts untröstlich, denn er glaubte, daß seine Anstrengungen im Dienst des Herrn vergeblich geworden waren. Er weinte: „Was soll ich tun? Ich habe gesündigt – ich habe den Zorn Gottes herausgefordert. Ich hätte mit der ersten Antwort des Herrn zufrieden sein sollen“( Lucy Mack Smith, History of Joseph Smith (1958), 128).
Joseph kehrte aufrichtig um. Für eine kurze Zeit wurden ihm die Platten und der Urim und Tummim genommen. Dann vergab ihm der Herr, und Joseph fuhr mit der Übersetzung fort. Der Herr gebot ihm, die verlorenen Seiten, die einen weltlichen Bericht enthielten, nicht noch einmal zu übersetzen. Statt dessen sollte Joseph andere Platten übersetzen, die von Nephi angefertigt worden waren und denselben Zeitabschnitt behandelten. Auch enthielten sie größere Prophezeiungen über Christus und andere heilige Aufzeichnungen. Der Herr hatte den Verlust der 116 Seiten vorhergesehen und Nephi inspiriert, diesen zweiten Geschichtsbericht zu verfassen. (Siehe 1. Nephi 9; LuB 10:38–45; siehe auch LuB 3 und LuB 10, die damals empfangen wurden.)
Oliver Cowdery, ein junger Lehrer, wurde durch den Herrn zum Haus des Propheten geführt. Schon bald darauf begann er, Joseph zu helfen. Ab dem 7. April 1829 arbeitete Oliver als Schreiber für Joseph. Er sagte über diese wichtige Zeit: „Das waren unvergeßliche Tage – dazusitzen und einer Stimme lauschen zu dürfen, die unter der Eingebung des Himmels sprach, das erfüllte mein Herz mit tiefster Dankbarkeit!“(Smith – Lebensgeschichte 1:71.)
Oliver fuhr fort:
- „Das Buch Mormon ist wahr. . . . Ich selbst schrieb es so, wie es aus dem Mund des Propheten kam. Das Buch enthält das immerwährende Evangelium, und es kommt in Erfüllung der Offenbarungen des Johannes, der von einem Engel spricht, der mit einem immerwährenden Evangelium kommt, das jeder Nation, jeder Sprache und jedem Volk verkündet werden soll. Das Buch enthält die Grundsätze der Errettung. Wenn jemand nach dem Licht dieses Buches lebt und die darin enthaltenen Grundsätze befolgt, wird er im immerwährenden Reich Gottes errettet werden” (Reuben Miller Journals, 1848–1849, 21. Okt. 1848; Historical Department, Archives Division, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, im folgenden LDS Church Archives genannt.)
Mitten in ihrer Arbeit stellten Joseph Smith und Oliver fest, daß sie so sehr mit der Übersetzung beschäftigt waren, daß sie weder Geld noch Essen hatten; es fehlten ihnen sogar die notwendigen Schreibutensilien. Joseph Knight sen., für den Joseph einmal gearbeitet hatte und der ein Freund des Propheten war, erfuhr von dem Los der beiden und entschloß sich, ihnen Unterstützung zu gewähren. Über die Hilfe, die er gab, schrieb er:
- „Ich kaufte ein Faß Makrelen und liniertes Schreibpapier. . . . Ich kaufte neun, zehn Scheffel Getreide und fünf, sechs Scheffel Kartoffeln.“ Dann besuchte er die beiden Männer in Harmony. Joseph Knight berichtet, daß „Joseph und Oliver auf Arbeitssuche waren, um Lebensmittel zu bekommen, aber keine Arbeit finden konnten. Als sie nach Haus zurückkehrten und mich mit den Sachen vorfanden, freuten sie sich, denn ihre Vorräte waren erschöpft. . . . Nun machten sie sich wieder an die Arbeit. Ihre Vorräte reichten jetzt bis zum Abschluß der Übersetzungsarbeiten” (Dean Jesse, Hg., „Joseph Knight’s Recollection of Early Mormon History“, BYU Studies, Herbst 1976, 36).
Es verwundert nicht, daß Joseph über diesen rechtschaffenen Menschen gesagt hat: „Solange es noch einen von den Söhnen Zions gibt, soll von ihm gesagt werden, daß er ein gläubiger Mann in Israel war; deshalb soll sein Name nie vergessen werden“(History of the Church, 5:124f)
Wegen der zunehmenden Verfolgung verließen Joseph und Oliver Harmony und beendeten im Juni 1829 die Übersetzung auf der Farm von Peter Whitmer in Fayette, New York. Es ist ein neuzeitliches Wunder, daß dieses Werk unter so schwierigen Umständen vollendet werden konnte. Joseph Smith, ein Mann ohne große Schulbildung, diktierte den übersetzten Text in etwas mehr als zwei Monaten und nahm nur wenige Korrekturen vor. Der Text liegt heute in der Form vor, wie Joseph ihn übersetzt hat. Für Millionen Menschen in aller Welt ist das Buch die Quelle ihres Zeugnisses. Joseph Smith war ein machtvolles Werkzeug in der Hand des Herrn; zum Segen der Heiligen der Letzten Tage hat er die Worte von Propheten aus alter Zeit hervorgebracht.
Zeugen für das Buch Mormon
Als der Prophet Joseph Smith in Fayette wohnte, offenbarte ihm der Herr, daß Oliver Cowdery, David Whitmer und Martin Harris drei besondere Zeugen sein sollten, denen es gestattet sein sollte, die goldenen Platten zu sehen (siehe 2. Nephi 27:12, Ether 5:2–4, LuB 17). Zusammen mit Joseph Smith sollten sie dann die Herkunft und die Wahrheit dieses alten Berichtes bezeugen können.
David Whitmer berichtet:
- „Wir gingen in einen nahegelegenen Wald, setzten uns auf einen Baumstumpf und redeten einige Zeit miteinander. Dann knieten wir nieder und beteten. Joseph betete. Als wir uns dann erhoben, auf den Baumstumpf setzten und miteinander redeten, kam von oben herab ein Licht, das uns in weitem Umkreis umgab; und der Engel stand vor uns.“ Dieser Engel war Moroni. David sagt: „Er war weiß gekleidet, und er sprach und nannte mich beim Namen und sagte: ‚Gesegnet ist, wer seine Gebote hält.‘ Vor uns wurde ein Tisch aufgestellt, und darauf wurden die Aufzeichnungen gelegt. Die Aufzeichnungen der Nephiten, von denen das Buch Mormon übersetzt worden ist, die Messingplatten, die Kugel mit den Richtungsweisern, das Schwert Labans und weitere Platten” (The Saint’s Herald, 1. März 1882, 68).
Während die Männer diese Dinge betrachteten, hörten sie eine Stimme, die sagte: „Diese Platten sind durch die Macht Gottes offenbart worden, und sie sind durch die Macht Gottes übersetzt worden. Die Übersetzung, die ihr gesehen habt, ist richtig, und ich gebiete euch, von dem, was ihr jetzt seht und hört, Zeugnis zu geben” (History of the Church, 1:55).
Bald nach jenem Ereignis zeigte Joseph Smith die Platten acht weiteren Zeugen, die sie an einem abgeschiedenen Ort, unweit des Hauses der Familie Smith in Manchester, New York, in die Hand nahmen. Das Zeugnis der drei Zeugen und das Zeugnis der acht Zeugen sind in der Einführung zum Buch Mormon zu finden.
Die mormonischen Missionare mit dem Buch Mormon
Nach dem Abschluß der Übersetzungsarbeiten verhandelte der Prophet Joseph Smith mit Egbert B. Grandin aus Palmyra über den Druck des Buches. Martin Harris nahm zugunsten von Mr. Grandin eine Hypothek auf seine Farm auf, damit die Bezahlung der 3000 Dollar für den Druck der ersten 5000 Exemplare gesichert war.
Am 26. März 1830 verkaufte die Buchhandlung E.B. Grandin die ersten Exemplare des Buches Mormon. Samuel Smith war einer der ersten Missionare der Mormonen, die das neue Buch mitnahmen. Im April 1830 besuchte er die Gastwirtschaft Tomlinson in Mendon, New York. Dort verkaufte er ein Exemplar des Buchs an einen jungen Mann namens Phineas Young, der ein Bruder von Brigham Young war. Im Juni machte sich Samuel Smith noch einmal auf dieselbe Reise und hinterlegte bei der Familie John P. Greene in Bloomfield, New York, ein Exemplar des Buches Mormon. John war mit Rhoda Young, einer Schwester Brigham Youngs, verheiratet. John Young, der Vater Brighams, kam als nächster mit dem Buch in Berührung. Er nahm es mit nach Hause und las es durch. Er sagte, „daß es von allen Werken, die er bisher gesehen hatte, das größte Werk und fehlerfrei sei, die Bibel nicht ausgenommen” („History of Brigham Young“, Millenial Star, 6. Juni 1863, 361).
Brigham Young war seit dem Frühjahr 1830 durch Familienmitglieder und Missionare mit dem Inhalt des Buchs bekannt gemacht worden, aber er brauchte Zeit, um es gründlich zu prüfen. Er sagte: „Zwei Jahre lang habe ich die Sache gründlich untersucht, bevor ich mich entschloß, das Buch anzunehmen. Ich wußte, daß es wahr ist, so wie ich weiß, daß ich mit meinen Augen sehen und mit meinen Fingern fühlen kann und jede andere Sinnesregung wahrnehme. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte ich nicht bis zum heutigen Tag an dem Buch festgehalten. . . . Ich wollte genügend Zeit, um alles selbst zu prüfen” (Brigham Young, in Journal of Discourses, 3:91).
Am 14. April 1832 ließ Brigham Young sich taufen. Er berichtete nach seiner Taufe und Konfirmierung: „Gemäß den Worten des Erretters verspürte ich einen demütigen, kindlichen Geist, der mir bezeugte, daß meine Sünden vergeben waren” („History of Brigham Young“, Millenial Star, 11. Juli 1863, 438). Brigham Young wurde später Apostel und der zweite Präsident der Mormonenkirche.
zusätzliches Material
- der Stern März 1997, Nicht die Stimme eines Menschen, Seite 46
