Barmherzigkeit
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Der Herr ist unter bestimmten Umständen sehr nachsichtig, gnädig und barmherzig, obgleich er strafen müsste, wenn er ausschließlich nach Recht und Gerechtigkeit handeln würde. Weil Barmherzigkeit, Erbarmen und Gnade göttliche Eigenschaften sind (Exodus 33:19; Römer 9:15-18; 2. Korinther 1:3; Epheser 2:4; 1. Petrus 1:3), können die Menschen leichter an Gott glauben und ihm vertrauen. Joseph Smith sagt: „Der Mensch muss auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen können, wenn er Glauben entwickeln soll, dass von ihm ewiges Leben und Erlösung kommt. Ohne dieses Vertrauen, würden die Heiligen der Letzten Tage verzagen inmitten all der Widerwärtigkeiten, des Kummers und der Verfolgungen, die sie um der Gerechtigkeit willen ertragen müssen. Wenn sie jedoch fest auf Gottes Gnade vertrauen, verleiht dieses Vertrauen dem Lebensgeist der Heiligen Mut und Kraft. Sie sind davon überzeugt, dass der Herr barmherzig und gnädig ist und Mitleid mit ihnen hat in ihrem großen Leid, dass die Gnade Gottes sie erheben und in die liebenden Vaterarme führen wird, so dass sie für all ihr Leid großen Lohn empfangen werden” [1]
Kein Dankgebet scheint inniger von der prophetischen Stimme zu kommen als der tröstende Ruf, „Seine Huld währt ewig” (1. Chronik 16:41; Jeremia 33:11; Psalm 136). Seine Gnade ist in der ganzen Schöpfung offenbar und in seinem Umgang mit den Menschen von Anfang an Psalm 136).
Das Erlösungsopfer des Herrn ist das Resultat seiner unendlichen Barmherzigkeit (LuB 29:1). Weil er vom Himmel herabgestiegen und so unendlich barmherzig ist, hat er die Menschenkinder besucht und ihnen Verheißungen gemacht (2. Nephi 4:26; 9:53). Im Zeitabschnitt der Wiederherstellung, wenn der Mensch Gott wiederum sprechen hört, wenn „Treue [Wahrheit] aus der Erde” hervorsprießt und „Gerechtigkeit vom Himmel" herniederblickt, begegnen "Huld (Gnade) und Treue [Wahrheit]” einander, und „Gerechtigkeit und Frieden” küssen sich (Psalm 85:8-11). Die Sammlung Israels in den letzten Tagen ist ein Teil der Wiederherstellung und geschieht wegen der großen Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Die „Stimme der Barmherzigkeit" (LuB 43:25) verkündet, dass das Evangelium wiederhergestellt worden ist und damit die Möglichkeit, dass die Menschen vor dem Zorn Gottes bewahrt bleiben, den er sonst über die Gottlosen ausschütten würde.
Gottes Barmherzigkeit zeigt sich auch in der Tatsache, dass Gott allen Menschen Unsterblichkeit schenkt. Darüber hinaus jedoch erweist er seine Barmherzigkeit nicht unterschiedslos allen Menschen, sondern nur denen, die seine Gebote halten. Den Gottlosen verspricht er seine Gnade und Barmherzigkeit nicht (Exodus 20:6; 9:4; LuB 70:18).
Vom Berg Sinai verkündete der Herr: „Jahwe ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue: Er bewahrt Tausenden Huld, nimmt Schuld, Frevel und Sünde weg, lässt aber (den Sünder) nicht ungestraft; er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation” (Exodus 34:6,7).
Barmherzigkeit und Gnade sind Gaben Gottes, die er seinen Heiligen in ihrer Schwachheit erweist (LuB 38:14; 50:16; 64:4). Er erweist sie den Sanftmütigen (LuB 97:2) und verstößt die Sünder nicht, sondern erinnert sich ihrer am Tag des Zorns (LuB 101:9) und ist ihnen gnädig, wenn sie bereuen (LuB 3:10). Den Ältesten der Kirche verspricht er: „Eure Sünden sind euch nun vergeben, denn ich, der Herr, vergebe Sünden und bin barmherzig zu denen, die ihre Sünden mit demütigem Herzen bekennen” (LuB 61:2).
Die Gerechtigkeit erfordert, dass jedes übertretene Gesetz mit Strafe gesühnt werden muss. Ohne Strafe hätte das Gesetz keinen Sinn. Da alle Menschen gesündigt haben, sind alle der Gerechtigkeit ausgeliefert, und alle müssen die Strafe für ihre Übertretung abbüßen, es sei denn, sie können eine unverhofft eingreifende Macht finden, die ihre Sünden tilgen und sie von der Strafe befreien kann. Ein Lösegeld muss gezahlt werden, und das kann nur Christus durch sein Sühnopfer tun.
„Nun aber gab es nichts, womit die Menschen aus diesem gefallenen Zustand zurückgeholt werden konnten, den der Mensch wegen seines Ungehorsams selbst über sich gebracht hatte, gemäß der Gerechtigkeit konnte also der Plan der Erlösung nicht anders als nur unter der Bedingung der Umkehr des Menschen in diesem Bewährungszustand, ja, diesem Vorbereitungszustand zuwege gebracht werden; denn anders als unter diesen Bedingungen konnte die Gnade nicht wirksam werden, wenn sie das Werk der Gerechtigkeit nicht zerstören sollte. Das Werk der Gerechtigkeit kann aber nicht zerstört werden; denn sonst würde Gott aufhören, Gott zu sein. Und so sehen wir, dass alle Menschen gefallen waren, und sie waren in der Hand der Gerechtigkeit, ja, der Gerechtigkeit Gottes, die sie dahin überantwortete, dass sie für immer aus seiner Gegenwart ausgetilgt waren. Nun konnte aber der Plan der Barmherzigkeit nur zuwege gebracht werden, wenn eine Sühne zustande gebracht wurde; darum sühnt Gott selbst für die Sünden der Welt, um den Plan der Barmherzigkeit zuwege zu bringen, um die Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen, auf dass Gott ein vollkommener und gerechter, aber auch barmherziger Gott sei. ... Es ist ein Gesetz gegeben und eine Strafe festgesetzt und eine Umkehr gewährt; diese Umkehr aber erhebt Anspruch auf Barmherzigkeit; andernfalls erhebt die Gerechtigkeit Anspruch auf das Geschöpf und wendet das Gesetz an, und das Gesetz verhängt die Strafe; wäre es anders, so würden die Werke der Gerechtigkeit zerstört, und Gott würde aufhören, Gott zu sein. Aber Gott hört nicht auf, Gott zu sein, und die Barmherzigkeit erhebt Anspruch auf die Bußfertigen, und die Barmherzigkeit wird wegen der Sühne zuteil; und die Sühne bringt die Auferstehung der Toten zuwege; und die Auferstehung der Toten bringt die Menschen in die Gegenwart Gottes zurück; und so werden sie wieder in seine Gegenwart zurückgeholt, um gemäß ihren Werken gerichtet zu werden, gemäß dem Gesetz und der Gerechtigkeit. Denn siehe, die Gerechtigkeit macht alle ihre Forderungen geltend, und die Barmherzigkeit beansprucht auch alles, was ihr zukommt; und so wird niemand als nur der wahrhaft Bußfertige errettet. Wie, meinst du etwa, die Barmherzigkeit könne die Gerechtigkeit berauben? Ich sage dir: Nein, ganz und gar nicht. Wenn es so wäre, würde Gott aufhören, Gott zu sein. Und so verwirklicht Gott seine großen und ewigen Absichten, die von Grundlegung der Welt an bereitet sind. Und so kommen die Errettung und die Erlösung des Menschen, aber auch seine Vernichtung und sein Elend zustande” (Alma 42:12-26).
Wegen des Sühnopfers Christi überwindet Gnade die Gerechtigkeit: „Und so bringt er die Errettung all denen, die an seinen Namen glauben; und das ist der Zweck dieses letzten Opfers, nämlich jenes herzliche Erbarmen zustande zu bringen, das die Gerechtigkeit überwältigt und das dem Menschen die Mittel bietet, wodurch er Glauben zur Umkehr haben kann. Und so kann die Barmherzigkeit die Forderungen der Gerechtigkeit befriedigen und umfängt ihn mit den Armen der Sicherheit, während derjenige, der keinen festen Glauben zur Umkehr ausübt, dem ganzen Gesetz mit seinen Forderungen der Gerechtigkeit ausgesetzt ist; darum ist der große und ewige Plan der Erlösung nur für den zustande gebracht, der Glauben zur Umkehr hat” (Alma 34:15,16). „Barmherzigkeit hat Mitleid mit Barmherzigkeit und beansprucht das Ihre; Gerechtigkeit nimmt weiter ihren Lauf und beansprucht das Ihre” (LuB 88:40).
Gottes Barmherzigkeit hat keinen Anspruch auf einen Menschen, der nicht um kehrt (Moses 2:38,39). Jedoch „wenn ihr umkehrt und euer Herz nicht verhärtet, dann will ich durch meinen einziggezeugten Sohn barmherzig zu euch sein; wer also umkehrt und sein Herz nicht verhärtet, der wird durch meinen einziggezeugten Sohn Anspruch haben auf Barmherzigkeit zur Vergebung seiner Sünden; und so jemand wird in meine Ruhe eingehen” (Alma 12:33,34).
Die Gnade Gottes hat demnach Anspruch auf den reuigen, gottergebenen, gehorsamen Menschen, der Gott liebt und ihm aufrichtig dient und der selbst barmherzig ist, denn „selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden” (Lukas 6:36). Alle anderen können der Gerechtigkeit Gottes nicht entgehen.
Gottes Gnade und Barmherzigkeit ist so unendlich, dass sie auf die Lebenden und die Toten zutrifft. Wer in diesem Leben nichts vom Plan der Errettung erfahren hat, ihn aber angenommen hätte, wenn er davon gehört hätte, wird das Evangelium in der Geisterwelt gelehrt bekommen. Er wird dann vom Zugriff der Gerechtigkeit befreit und die volle Segnung der Gnade erfahren, so dass er in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen werden kann.
„Es ist für den Geist des Menschen nie zu spät, sich Gott zu nähern”, sagt der Prophet Joseph Smith. „Jeder Mensch, der nicht die unverzeihliche Sünde begangen hat, kann durch Gottes Gnade Vergebung empfangen. Die unverzeihliche Sünde jedoch kann weder in dieser noch in der nächsten Welt vergeben werden. Es besteht eine Möglichkeit, die Geister der Toten zu erlösen, nämlich durch die siegelnde und lösende Macht des Priestertums. Diese Lehre ist wunderbar, da sie die unendliche Größe des göttlichen Mitleids und Wohlwollens für die Erlösung der Menschen offenbart”[2]
Anmerkungen
verwendete Quellen
- Mormon Doctrine - von Bruce McConkie
externe Links
- Schriftenführer
- 179. Herbst-Generalkonferenz, Oktober 2009 - Die Liebe und das Gesetz - von Elder Dallin H. Oaks
- 175. Frühjahrs-Generalkonferenz, April 2005 - Die liebevolle, große Barmherzigkeit des Herrn - von Elder David A. Bednar
- 174. Frühjahrs-Generalkonferenz, April 2004 - Denkt daran, wie barmherzig der Herr gewesen ist - Von Elder Neal A. Maxwell