B. H. Roberts
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Fünfundsiebzig Jahre später — immer noch Zeuge für das Buch Mormon
aus dem Stern November 1984
In den einhundertsiebzig Jahren, die seit der Übersetzung des Buches Mormon vergangen sind, hat es keine wirkungsvollere, methodischere Verteidigung erfahren als durch Elder Brigham Henry Roberts. In über fünfzig Jahren ging er das Buch von mindestens zehn verschiedenen Standpunkten an und schrieb über 2500 Seiten erklärender, literarischer und geschichtlicher Analyse. Mindestens ein Drittel seiner Schriften bezogen sich auf tatsächliche oder mögliche Kritik am Buch Mormon. Seine Geschichte ist eines der vielen Wunder in der Geschichte der Heiligen der Letzten Tage.
B. H. Roberts wurde 1857 in Wolverhampton in England geboren. Seine Eltern hatten weder eine feste Anstellung noch einen festen Wohnsitz, und die Ehe endete bald mit der Trennung. Seine Mutter schloss sich der Kirche an und wanderte nach Utah aus, als er fünf Jahre alt war. Sie ließ ihn bei Pflegeeltern zurück. Als er zehn Jahre alt war, kam er ebenfalls nach Utah. Er zog von einem Minenlager zum nächsten und war mit fünfzehn immer nach Analphabet. Seine einzige offizielle Schulbildung bestand in einem Jahr an der University of Deseret in Salt Lake City. (Diese Universität wurde später in University of Utah umbenannt.)
Und doch schrieb dieser Mann die 3400 Seiten starken Comprehensive Historyof the Church (1930) und gab die siebenbändige Documentary History of the Church (1902-1932) heraus. Ferner schrieb er die drei Bände New Witnesses for God (1909), die für ihn die umfassendste Abhandlung des Buches Mormon überhaupt waren. Im Nachhinein sagte er, das sei sein bestes Werk. Außerdem verfasste er noch über fünfzig Essays, Artikel und Broschüren über das Buch Mormon, seinen Ursprung, seinen Inhalt und seine Bedeutung, seine Absicht und seine Macht als heiliger Bericht.
Er ging zweimal auf Mission — einmal in die Südstaaten (der USA) und nach England, wo er Mitherausgeber des Millennial Star war. Im Jahre 1888 wurde er Mitglied des Ersten Rates der Siebzig. Fünfundvierzig Jahre lang sah er sich als „besonderen Zeugen”, der lehrte, schrieb, reiste und sich einsetzte. Seine Lebensaufgabe bestand darin, den Angriffen der Gelehrten und der extremistischen Sektierer entgegenzutreten. Dabei stand das Buch Mormon im Mittelpunkt. Er wollte sie an die Macht der Liebe Christi, die in jeder Zeile in jedem Kapitel deutlich wird, teilhaben lassen.
So wie Elder Roberts das Buch Mormon sah, wurde er zu seinem besonders machtvollen Fürsprecher. Er war sich deutlich bewusst, dass das Buch Mormon die Existenz Gottes offenbart und dass es, was noch wichtiger ist, zeigt, was für ein Wesen Gott ist. Die Christenheit hat immer wieder verkündet, dass Christus wie Gott ist. Aber seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert leugnen die Glaubensbekenntnisse offiziell, dass Gott wie Christus ist. In ihrer Überlieferung ist Gott „ganz anders” — er ist nicht stofflich, völlig transzendent und unendlich weit von den Menschen entfernt. Aber B. H. Roberts war klar, dass das Buch Mormon] die Bibel klarer macht. Er schrieb: „Der Boden musste vom theologischen Abfall, der sich im Laufe der Jahrhunderte dort angesammelt hatte, befreit werden, damit der lebendige Felsen zum Vorschein kommen konnte auf dem Gott seine Kirche in der Tat gründen sollte.” (GK, Okt. 1923.)
Weiter waren ihm die folgenden wichtigen und erläuternden Dogmen des Buches Mormon wichtig:
- Das Sühnopfer Christi war notwendig, weil es auf ewig für den Ausgleich zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gesorgt hat. Das steht im Gegensatz zur Ansicht der Sektierer, dass der Fall des Menschen eine Katastrophe ist und ihm alles genommen hat. Diese Lehre geht seltsamerweise mit der Lehre von der schließlichen Versöhnung — dass nämlich alle Menschen schließlich errettet werden, auch wenn sie unwürdig sind — Hand in Hand.
- Der göttliche Zweck des Lernens für den Menschen besteht darin, Freude zu empfinden, die alle Höhen und alle Tiefen kennt. Das steht im Gegensatz zu der Betrachtungsweise, das Leben in der Sterblichkeit sei eine Strafe und der Körper ein Gefängnis, dem man entfliehen müsse.
- Der Lehrsatz von der Freiheit — ihr seid frei (Helaman 14:30) im Gegensatz zur Lehre von der Vorherbestimmung.
- Es ist möglich, mit Christus von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Das steht im Gegensatz zum Gedanken, dass ein „Gott, der begriffen werden kann”, kein Gott ist.
Für B. H. Roberts war am Buch Mormon besonders wichtig, dass es zeigte, es hat frühere Evangeliumszeiten gegeben, und dass es all diese Perioden zu einem großen Ganzen vereint. Er mochte die Bedeutungspalette des Wortes „umfassend” besonders gerne. Für ihn beinhaltete es die Majestät und Kohärenz, „Einheit der Wahrheit”, die Gottes Absichten in bezug auf den Menschen und das Universum eigen sind. In diesem Sinne prophezeite Elder Roberts viererlei Bemerkenswertes in bezug auf das Buch Mormon, was zu Hoffnungen Anlass gibt:
- Es soll „die Welt auf den Stand philosophischen Denkens und ethischen Verhaltens bringen, und zwar in den noch ungeborenen Generationen”. (GK, April 1911.)
- Eines Tages wird es die Gelehrten ansprechen. Wenn der Mensch aufhört, „die menschlichen Elemente in ihm zu verhöhnen und erneut seine Lehren über das wichtige Thema Errettung durch das Sühnopfer Christi untersucht, dann kann er in seinen Dogmen wirklich Weisheit, philosophische Gedanken und Wahrheit finden”. [1]
- Es soll „jeden Test bestehen. Je gründlicher es untersucht wird, desto größer wird sein schließlicher Triumph sein”.[2]
- „Solange seine Wahrheit nicht geglaubt wird, bleibt (das Buch Mormon) der Welt ein Geheimnis, eine buchstäbliche Sphinx, die die Gelehrten zum Forschen und zum Spekulieren herausfordert. Wer es jedoch mit schlichtem Glauben als das annimmt, was es ist, nämlich Offenbarung von Gott, der wird geistigen Trost erhalten, und durch seine Klarheit und Wahrheit treten die Menschen in engere Verbindung zu Gott.” [3]
Elder Roberts gab lange Zeit den Millennial Star, den Contributor und die Improvement Era heraus, und in diesen Zeitschriften beschäftigte er sich mit der Übersetzungsmethode des Buches Mormon, mit den Jesajakapiteln im Buch Mormon und mit der Ähnlichkeit zwischen der Sprache des Buches Mormon und der Terminologie der King-James-Bibel.
Elder Roberts starb 1933. Seitdem sind viele Theorien, denen er sich entgegenstellte, einfach verschwunden oder widerlegt worden. Aber kürzlich haben die Antagonisten einen neuen Anlauf unternommen, um das Buch Mormon auf eine Ausgeburt der Phantasie Joseph Smiths zurückzuführen. Sie behaupten (in Veröffentlichungen gegen den Mormonismus), dass B.H. Roberts gegen Ende seines Lebens unüberwindliche Schwierigkeiten mit dem Buch Mormon bekam und sogar den Glauben daran verlor.
Dieser Irrtum beruht auf einer interessanten Studie, die Elder Roberts auf einen Auftrag hin im Jahre 1922 durchführte und als „fürchterlich” beschrieb — er sammelte Fakten, die sich mit mehreren linguistischen Problemen befaßten, die von einem Herrn Couch in Washington aufgebracht worden waren.[4] Elder Roberts sprach mit Elder James E. Talmage und später mit Elder Richard R. Lyman; dann sammelte er im Auftrag Material für drei verschiedene Bereiche: 1. Probleme von Sprache und Anachronismus; 2. Versuche, das Buch Mormon auf Joseph Smiths Umwelt oder seine Phantasie oder beides zurückzuführen und 3. Vergleiche zwischen einem Manuskript von Ethan Smith mit dem Titel „View of the Hebrews” und dem Buch Mormon. Aus dieser Studie entstand ein ziemlich umfangreiches Manuskript, das sich mit drei Hauptgedanken beschäftigte: der erste Abschnitt umfaßte 140 Seiten und trug den Titel „Schwierigkeiten in bezug auf das Buch Mormon”; der zweite Abschnitt umfaßte 285 Seiten und trug den Titel „Eine Studie des Buches Mormon” und der dritte Abschnitt war 18 Seiten lang und einfach mit „Eine Parallele” betitelt.
Die Umstände, die dieses Unterfangen begleiten, lassen sich am besten mit den Worten B.H. Roberts' schildern. Genau zehn Jahre nach der Beendigung der Untersuchung, nämlich am 14. März 1932 (anderthalb Jahre vor seinem Tod) schrieb Elder Roberts an seine frühere Sekretärin in der Oststaatenmission, Elizabeth Schofield. Sie hatte nach Theorien in bezug auf die Abstammung der Indiander gefragt, die vor dem Buch Mormon entstanden waren. Elder Roberts antwortete ihr folgendes:
„Ich schicke Ihnen mit gleicher Post das einleitende Kapitel zu einem meiner Werke, das in Manuskriptform unter dem Titel "Eine Studie des Buches Mormon, vorliegt. Es umfaßt 435 maschinengeschriebene Seiten. Es stammt aus einer Untersuchung, die ich durchgeführt habe, bevor ich für die Oststaatenmission zuständig wurde (im Mai 1922). Ich habe dieses Papier geschrieben, um es den Zwölf und der Präsidentschaft (der Kirche) vorzulegen; es ist nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Ich habe die Präsentation jedoch bis nach meiner Rückkehr nach Hause verschoben, bin aber bis jetzt noch nicht dazu gekommen, sie vorzustellen."
Elder Roberts war Missionspräsident in New York, und von dort hatte er die gesamten 435 Seiten an Präsident Heber J. Grant und das Kollegium der Zwölf geschickt, und zwar am 15. März 1923. In einem Begleitschreiben hatte er festgestellt:
- „Ich habe den Bericht über meine Studie noch einmal für Sie abgeschrieben, und ich habe mit offenem Sinn geschrieben und die Tatsachen über den Ursprung des Buches Mormon und seine Verfasser untersucht. Ich möchte meine Erklärungen nicht ständig wiederholen müssen und deshalb ein für allemal folgendes festhalten: Was in dieser Studie steht, stellt nicht meine eigenen Schlussfolgerungen dar. Der Bericht, der Ihnen hiermit zugeht, ist das, was der Titel schon sagt, nämlich eine Studie über den Ursprung des Buches Mormon. Er soll diejenigen informieren, die alles über das Für und Wider wissen müssen und auch darüber, was gegen das Buch gesagt worden ist oder gesagt werden kann. Ich bin der Ansicht, dass unser Glaube an das Buch Mormon nicht nur unerschüttert, sondern auch unerschütterlich ist, und deshalb können wir uns auch ohne Furcht allem stellen, was gegen das Buch Mormon gesagt werden kann.”
Insgesamt rechtfertigt B.H. Roberts seine Studie und seinen Wunsch, sie so verstanden zu wissen, folgendermaßen: „Sie kann von großer Wichtigkeit sein, denn sie enthält, was von manchem Gegner gesagt werden kann, um das Buch Mormon zu kritisieren.” Seine Studie ist gebraucht und mißbraucht worden. Fawn M. Brodie[5], Thomas F. O'Dea[6] und Zeitungen, die sich gegen den Mormonismus richteten, haben Auszüge aus den Schriften von B. H. Roberts veröffentlicht und als das unbestreitbare Eingeständnis begrüßt, das Buch Mormon sei das Produkt des „eher naiven Geistes” von Joseph Smith. [7] Die Kritiker haben sich bemüht, Elder Roberts Bemühungen, das Buch Mormon noch nach seiner Studie aus dem Jahre 1922 zu verteidigen, nicht zu erwähnen. Zu ähnlichen Versuchen hat er folgendes gesagt: „All das wird ihnen Ruhm für ihre Findigkeit einbringen. Doch wie steht es mit der Ehrlichkeit?”
Wenn man B. H. Roberts' öffentliche und private Tätigkeit in bezug auf das Buch Mormon untersucht, dann zeigt sich folgendes: Von 1922 an, als seine Studie über Schwierigkeiten veröffentlicht wurde, bis zu seinem Tod am 27. September 1933, arbeitete er an der Vorbereitung, der Niederschrift der Präsentation und der Veröffentlichung von Material über das Buch Mormon, und zwar Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr von 1922 bis 1933. Er hielt Hunderte von Reden und schrieb Dutzende von Artikeln und Essays. Während dieser Jahre ließ er viele seiner Bücher neu drucken und nahm Zusätze auf, die sich auf das Buch Mormon beziehen. Das gilt für die drei Bände New Witness (1927)[8], seine Comprehensive History of the Church (1930) und das unveröffentlichte Manuskript The True, The Way and The Life (1931). Weiterhin gibt es eine Unmenge von Zeugen, darunter etwa dreihundert Missionare aus seinem Gebiet und andere Vertraute, die Briefe und Tagebucheintragungen über seine Gespräche, seine Gebete und sein Zeugnis vom Buch Mormon hinterlassen haben.[9]
Wir wollen uns jetzt einer groben Gliederung dessen zuwenden, was Elder Roberts in seiner Studie aus dem Jahr 1922 behandelt hat. Zu Anfang geht er auf sprachliche Probleme ein (58 Seiten). Es geht ihm darum, die großen sprachlichen Unterschiede zwischen den Eingeborenen Nord- und Südamerikas im Rahmen der Chronologie des Buches Mormon zu erläutern. Danach beschäftigt er sich mit scheinbaren Unstimmigkeiten im Buch Mormon: Pferde, Esel, Rinder, Schafe, Schweine, Eisen und Stahl werden dort genannt (637 Seiten). Dann wendet er sich dem Ursprung der Eingeborenenrassen sowie ihrer Kultur zu (48 Seiten).
Im zweiten Abschnitt der Studie, die etwa 170 Seiten lang ist, stellt Elder Roberts die Frage, ob „Joseph Smith Zugang zu Literatur, die die Grundlage für das Buch Mormon bilden könnte”, gehabt habe. Er fragt auch, ob Joseph Smith genug Phantasie gehabt habe, um das Buch Mormon aufgrund dessen, was damals allgemein völkerkundlich bekannt war, schreiben zu können. Er behandelt auch Ansichten in Ethan Smiths Buch View of the Hebrews und bezieht dabei die „verschiedensten” Parallelen zwischen Ethan Smiths View of he Hebrews und dem Buch Mormon ein.
Elder Roberts wollte alle möglichen Argumente gegen das Buch Mormon zusammenfassen, deshalb legte er „einigen zukünftigen Gegnern des Buches Mormon" vier Behauptungen in den Mund. Wir wollen sie im folgenden nennen und aufzeigen, wie sie von Forschungsergebnissen widerlegt worden sind.
Die Sprache
Der Gedanke, alle Sprachen Alt-Amerikas ließen sich auf eine gemeinsame Muttersprache zurückführen, wird von der zeitgenössischen Archäologie und Anthropologie ausgeschlossen. Auch das Buch Mormon selbst verbietet diese Annahme. Es erwähnt nichts davon, dass sich die Bevölkerung über den ganzen Kontinent ausgedehnt habe und dass alle Völker einer „Rasse” angehörten, wie es selbst einige Heilige der Letzten Tage behaupten. (Gegenbeispiel: 2. Nephi 10:21.) Die Völker, von denen die Rede ist, dehnen sich manchmal aus und werden manchmal kleiner, geraten gar an den Rand des Verschwindens. Dabei handelt es sich jedoch immer nur um eine kleine Anzahl von Menschen. Auch B. H. Roberts vermutet, dass die drei Gruppen, von denen im Buch Mormon die Rede ist, nämlich die Jarediten, Mulekiten und Nephiten, nicht allein die Vorfahren des Überrestes der amerikanischen Zivilisation und Sprachen in der westlichen Erdhälfte sind. Seine Studie beschäftigt sich mit der Möglichkeit, dass die Nephiten und das Volk Mulek ein viel kleineres Gebiet des amerikanischen Kontinents bewohnt haben, als früher angenommen wurde.
Literatur
die Joseph Smith zugänglich war. Brodie und O'Dea kommen zu dem Schluss, dass Joseph Smith einfach einen Abklatsch seiner New Yorker Umwelt machte und das Buch Mormon dabei herauskam. O'Dea gibt dabei nicht einmal logische Begründungen an, sondern beruft sich auf den „gesunden Menschenverstand”. Frau Brodie macht ihren unbestätigten und erläuterten Standpunkt deutlich, die Ähnlichkeiten zu Ethan Smith seien so offensichtlich, dass man unmöglich an einen Zufall glauben könne.
Wie alles, was einer ernsthaften Untersuchung unterzogen wird, kann man das Buch Mormon nicht nur mit einer ausgesuchten Quelle vergleichen, sondern muß es mehreren gegenüberstellen. Das beweist sich dann früher oder später als der wirkliche Test. Solche Tests sind auch durchgeführt worden, und diejenigen, die sich mit dem Buch Mormon beschäftigen, sind in bezug auf die charakteristischen Züge der Kulturen, von denen das Buch Mormon berichtet, der gleichen Ansicht. Beispielsweise hat Richard L. Bushman (in BYU-Studies, Herbst 1976) gezeigt, dass das Buch Mormon nicht mit der vorherrschenden Meinung im New York des 19. Jahrhunderts übereinstimmt. Andererseits haben mehrere Gelehrte gezeigt, dass es mit den Kulturmustern im Nahen Osten und in Mittelamerika übereinstimmt. Hugh Nibley von der Brigham-Young-Universität hat Hunderte solcher Muster für den Nahen Osten nachgewiesen — für die Welt der Jarediten und die Welt Lehis, als er sich in der Wildnis aufhielt. Denken wir nur an die Einzelheiten, die im 19. Jahrhundert niemand, geschweige denn Joseph Smith, wissen konnte, dann wird der Test noch weiter eingeschränkt. Wer wußte damals schon, dass Alma im vorchristlichen Nahen Osten ein Männername war? [10]
Und was schließen wir daraus? Die Kultur, der die Erzählung de$ Buches Mormon am meisten ähnelt, ist wahrscheinlich die Wurzel der Erzählung. Und es gibt genug offensichtliche Parallelen zwischen dem Buch Mormon und den Kulturen, die es vertritt, um den Zufall auszuschließen. Es gibt mindestens 150 Kulturmuster in Mittelamerika, die laut der Anthropologen und Archäologen mit dem Buch Mormon übereinstimmen und von denen Joseph Smith nicht wissen konnte.
Phantasievorstellungen
Manche Kritiker haben darauf hingewiesen, dass Joseph Smiths Wortschatz im Buch Mormon festgestellt werden kann und dass das Buch, und nicht nur die Wörter, die er verwendet hat, seiner Phantasie entsprungen sein müssen. Doch dieses Argument beruht auf einem logischen Trugschluss. Es ist doch verständlich, dass der Prophet bei der Übersetzung des Buches seinen eigenen Wortsphatz verwendet hat, darauf ist von Anfang an hingewiesen worden. Es müsste doch viel eher bewiesen werden, dass Joseph Smith der einzige Verfasser des Buches Mormon ist, dass er es sich ausgedacht hat. Und das hat bisher niemand beweisen können. Und es ist auch schwer, sich vorzustellen, wie ausreichende Fakten aus seiner Umgebung und aus dem niedergeschriebenen Phantasieprodukt jemals überzeugend beweisen könnten, dass er sich das Buch ausgedacht hat.
Wer heute darauf besteht, Joseph Smith habe sich das Buch ausgedacht, muß einen anderen Ansatz zugrunde legen. Die Komplexität des Buches Mormon ist viel deutlicher geworden, und nun müssen sie dem Propheten literarische Fähigkeiten andichten, die er gar nicht besessen hat. So können sie das, was sich an dem Buch nicht enträtseln läßt, als Produkt eines Genies ansehen, anstatt Joseph Smith eigener Version zu glauben.
Mittlerweile haben neue Hilfsmittel und neue Untersuchungen ein neues Licht auf das Sprachproblem geworfen. Die Untersuchung der literarischen Stilarten, die sich nun systematisch im Computer analysieren lassen, hat ergeben, dass bestimmte Wortmuster vorliegen. Das bestätigt den Anspruch des Buches Mormon, es gebe darin viele literarische Stilarten. Neuere Untersuchungen haben darüber hinaus ergeben, dass wichtige Teile, einschließlich der Geschichtsberichte, nach chiastischem 1-2-3, 3-2-1-Schema geschrieben sind, den auch viele Dichterpropheten des Alten Testaments verwendet haben. [11]
Angesichts dieser und einer Fülle anderer Tatsachen gehen manche Bibelforscher jetzt dazu über zu behaupten, Joseph Smith sei offensichtlich nicht nur in der hebräischen Sprache, sondern auch im hebräischen Stil bewandert gewesen. [12] Aber so einfach ist das nicht. Joseph Smith sah zum ersten Mal fünf Jahre nach der Veröffentlichung des Buches Mormon ein hebräisches Alphabet. Und darüber hinaus hat man die Chiasmen im Buch Mormon erst vor kurzem erkannt. B. H. Roberts wusste nichts davon, und Joseph Smith erst recht nicht.
Parallelen zu Ethan Smith
Gibt es tatsächlich offensichtliche Parallelen zwischen dem Buch Mormon und Ethan Smiths Roman aus dem Jahr 1823 View of the Hebrews? Ethan Smith schildert, wie Israeliten von den verschwundenen Zehn Stämmen nach der Zerstörung Jerusalems nach Amerika auswanderten. Elder Roberts versicherte seinen Missionaren, dass solche Parallelen einfach absurd sind. Abgesehen vom Schauplatz lassen sich nur zwei Parallelen ausmachen: Ethan Smith zitiert ausführlich aus Jesaja und erwähnt den Urim und Tummim. Aber die Textanalyse weist zwei unterschiedliche Quellen für die beiden Bücher nach. Und es zeigt sich, dass Joseph Smith Jesaja anders zitiert hat, als es in der King-James-Bibel nachzulesen ist, und dass sich die Schriftrollen vom Toten Meer, die aus dem Jahre 150 v. Chr. stammen, ebenso deutlich von der Version in der King-James-Bibel unterscheiden.
1843 nannte Joseph Smith Ethan Smith einen Autor, der die Verbindungen der Alten Welt zu Amerika ernst nähme. Aber Ethan Smith behauptete, dass die Indianer in Amerika von den verschwundenen Stämmen abstammten. Und das sagt das Buch Mormon gerade nicht.
B. H. Roberts schrieb 1932 folgendes: „Frühere Theorien über die alten Indianer behaupteten, die Indianer seien hebräischer Abstammung, und zwar durch die verschwundenen Stämme, (aber) das sagt das Buch Mormon natürlich nicht, wie Sie wissen. Es schreibt ihnen zwar ebenfalls hebräische Abstammung zu, sagt aber nirgendwo, dass es sich dabei um [Die verlorenen Stämme|die verschwundenen Stämme] handle. Statt dessen gibt es an, dass es sich um die Nachkommen der Stämme Efraim und Manasse handle, mit denen sich dann noch ein kleiner Teil des Stammes Juda, nämlich die Mulekiten vermischt habe, die zur Zeit der Vernichtung von Zidkijas Familie aus Jerusalem kamen. Das können Sie im Buch Mormon nachlesen.” [13]
Kurz vor seinem Tod im September 1933 erhielt Elder Roberts den Besuch seines langjährigen Freundes Jack Christensen. Er kam zu ihm ins Büro und legte ihm eine neue Ausgabe des Buches von Ethan Smith auf den Schreibtisch. Während der Unterhaltung erwähnte B. H. Roberts auch seine Studien in bezug auf das Buch Mormon und sagte Bruder Christensen, zu welchem Schluss ihn seine Überlegungen geführt hatten: „Ethan Smith hat mit dem Buch Mormon absolut nichts zu tun. Nehmen Sie Joseph Smith und die anderen Schriften an.” Bruder Christensen schreibt: „In meinem ganzen Leben habe ich nichts Machtvolleres gespürt.” [14] Drei Wochen später war B. H. Roberts tot.
Der vierte der drei Zeugen
Während der ersten Verleumdungswelle gegen die Heiligen der Letzten Tage wurde gesagt, dass die Drei Zeugen des Buches Mormon ihr Zeugnis später widerrufen hätten. Diese lächerliche Behauptung ist immer noch in manchen Nachschlagewerken zu finden. Aber sorgfältige und genaue Untersuchungen beweisen das Gegenteil. [15] Das gilt auch für B. H. Roberts. Wer, Elder Roberts' Lebenswerk, nämlich die Bestätigung des Buches Mormon, auf letztliche Desillusionierung und Ablehnung hinlaufen sehen will, der hat sich einem Wunschtraum ergeben. Da ist man bei B.H. Roberts an der falschen Adresse. Trotz aller gegenteiliger Behauptungen war er bis zu seinem Tode absolut sicher, dass das Buch Mormon von Gott offenbart worden ist. Es machte ihm Freude, war ihm aber zugleich auch Last, in den Religionsforschern seiner Zeit die Hoffnung zu erwecken, dass es auch andere glaubhafte Manuskripte gebe, die sich mit dem Leben und dem Wirken Christi beschäftigten und dadurch die Tür zu einem bisher verschlossenen und völlig falsch verstandenen' Kanon, nämlich der Bibel, öffneten. Nicht viele waren jedoch dafür bereit. Er bezeichnete das Buch Mormon und vor allem das dritte Kapitel des Buches Nephi mit Vorliebe als das „fünfte Evangelium”. Judentum und Christentum gehen jedoch nur vorsichtig an diesen Anspruch des Buches Mormon, heilige Schrift zu sein, heran. Ihre Position ist immer schwerer zu halten, denn neue Schriftfunde widerlegen ihre Ansichten. Wie von Joseph Smith vorhergesagt, setzten diese Funde gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein. Die Texte aus dem Nahen Osten, die seitdem gefunden wurden, haben glücklicherweise große Wirkung gehabt. Dieses Material hat die gleiche geschichtliche Glaubwürdigkeit wie die Bücher der Bibel, manchmal sogar mehr. Es hat die Einstellung revidiert, dass Elder Roberts und seine Kollegen fast vergebens gearbeitet hätten.
Bis zum letzten Atemzug war Elder B. H. Roberts ein treuer Zeuge für den besten neuen Zeugen von allen, nämlich das Buch Mormon. In sein Notizbuch hatte er mit roter Tinte geschrieben, was Joseph Smith über das Buch Mormon. gesagt hat, nämlich: „Wenn man sich an die Anweisungen des Buches Mormon hält, kommt man dadurch näher zu Gott als durch jedes andere Buch.” Daran glaubte er, und das bezeugte er. Er trachtete danach, auch so zu leben.
Fußnoten
- ↑ B.H.Roberts, „The Translation of the Book of Mormon”, lmprovement Era, Salt Lake City, 1906.
- ↑ Siehe Truman G. Madsen, Defenderof the Faith, The B. H. Roberts Story, Salt Lake City, 1980.
- ↑ B. H. Roberts, New Witnesses for God, Salt Lake City, 1909.
- ↑ Couch hatte den Brief geschrieben, den Elder Roberts durch Elder James E. Talmage erhielt. Das war gegen Ende des Jahres 1921.
- ↑ Fawn M. Brodie, No Man Knows My History, New York, 1957, Seite 7.
- ↑ Thomas F. O'Dea, The Mormons, Chicago, 1957, Seite 24.
- ↑ Wesley P. Walters, The Journal of Pastoral Practice 1, Nr. 2 (Sommer 1977), Seite 121-137.
- ↑ Elder Roberts schrieb seiner Tochter Georgia 1927, dass es schwierig für ihn gewesen sei, sein Buch New Witnesses neu zu bearbeiten und stellenweise zu ergänzen. Der Vergleich einer früheren mit einer späteren Ausgabe zeigt nur wenig Änderungen. Am schwierigsten war das Korrekturlesen. Eine Änderung hingegen zog größere Aufmerksamkeit auf sich, und zwar als Offenbarung und nicht als Anmerkung des Herausgebers. B.H.Roberts sagte seinen Missionaren: „Das Buch Mormon ist das einzige Buch der Welt, dessen Titelseite von Gott autorisiert ist.”
- ↑ Elder Roberts' Missionare treffen sich seit über fünfzig Jahren einmal im Jahr. Fünfzig haben der Bitte um Anekdoten entsprochen. Jede einzelne zeigt, dass Elder Roberts ein Zeugnis vom Buch Mormon hatte und sich für dieses Buch einsetzte; viele werfen Licht auf die Frage, ob Elder Roberts' Zeugnis ein Ende fand.
- ↑ Man war der Ansicht, dass der Name Alma ein lateinischer, wahrscheinlich weiblicher Name, sei. Die Schriftrollen vom Toten Meer, die den Namen als Männernamen udrf im Jahre 150 v.Chr. nennen, sind im Buchmuseum der Hebräischen Universität in Jerusalem ausgestellt.
- ↑ Siehe John W. Welch: „Ein Buch, das man achten kann” (Der Stern, Jan. 1984.)
- ↑ W. D. Davies, ein Experte auf dem Gebiet des normativen Judaismus, selbst aber Christ, findet es interessant, dass Joseph Smith bei Joshua Deitas Hebräisch studiert hat, und meint, das habe sich auf das Buch Mormon ausgewirkt.
- ↑ B. H. Roberts in einem Brief an Elizabeth Schofield vom 15. März 1932.
- ↑ Interview mit Jack Christensen, 25. April 1979.
- ↑ In seinem Buch New Witnesses beschäftigt sich Elder Roberts auch mit den Drei Zeugen. Richard L. Anderson von der Brigham Young University hat noch mehr Material gesammelt, das zeigt: Die Zeugen haben ihr Zeugnis nicht geleugnet, Siehe Investigating the Book of Mormon Witnesses, Salt Lake City, 1981.