Auszug nach Illinois

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Joseph Smith im Gefängnis

Nicht lange nach dem Massaker bei Haun's Mill wurden Joseph Smith und weitere Führer der Kirche von der Staatmiliz gefangengenommen. Ein Kriegsgericht wurde abgehalten, und der Prophet und seine Leute wurden zum Tode verurteilt. An nächsten Morgen sollte das Urteil auf dem Marktplatz von Far West durch Erschießen vollzogen werden. General Alexander Doniphan, der der Miliz angehörte, weigerte sich, den Erschießungsbefehl auszuführen und nannte das Urteil kaltblütigen Mord. Er warnte den General, der die Staatsmiliz führte, davor, diesen Männern weiter nach dem Leben zu trachten. Er werde ihn sonst vor einem irdischen Gericht zur Verantwortung ziehen, so wahr ihm Gott helfe.

Der Prophet und die anderen wurden zunächst nach Independence gebracht und von dort nach Richmond im Kreis Ray, wo sie im Gefängnis bei dem Propheten waren. Er berichtete, dass die Wachen eines Abends die Gefangenen reizen wollten, idem sie mit ihren Greueltaten prahlten, mit Vergewaltigung, Mord und Raub, die sie unter den Heiligen der Letzten Tage begangen hatten. Parley wusste, dass der Prophet neben ihm wach lag, und berichtete, dass Joseph plötzlich aufstand und die Wachen mit Macht zurechtwies:

"RUHE, ihr Teufel aus der Hölle. Im Namen Jesu Christi weise ich euch zurecht und befehle euch: Schweigt! Ich werde keine Minute länger leben und diese Sprache ertragen. Hört auf damit, sonst werdet ihr oder ich AUF DER STELLE tot umfallen!"

Er verstummte. Er stand aufrecht in furchtbarer Majestät. Gekettet und ohne Waffen, ruhig, unerschüttert und würdevoll wie ein Engel blickte er die eingeschüchterten Wachen an, die die Waffen niederlegten beziehungsweise zu Boden fallen ließen; ihnen schlotterten die Knie: und sie zogen sich in eine Ecke zurück oder hockten sich zu seinen Füßen, baten um Verzeihung und blieben bis zur Wachablösung ruhig." Parley schrieb weiter: "Ich habe schon versucht, mir Könige und ihren Hofstaat vorzustellen, Throne und Kronen, Kaiser, die über das Schicksal von Reichen bestimmen, aber Würde und Majestät habe ich nur einmal gesehen, in Ketten, zur Mitternacht, in einem Verlies in einem unbekannten Dorf in Missouri

Nachdem die Beweisaufnahme abgeschlossen war, wurden Joseph und Hyrum Smith, Sidney Rigdon, Lyman Wight, Caleb Baldwin und Alexander Mc Rae in das Gefängnis zu Liberty im Kreis Clay gebracht, wo sie am 1. Dezember 1838 ankamen. Der Prophet beschrieb die Situation. "Wir werden Tag und Nacht streng bewacht und befinden uns in einem Gefängnis mit doppelten Wänden und Türen, unserer Gewissensfreiheit beraubt. Wir haben nur wenig zu essen... Wir sind gezwungen, auf dem Boden zu schlafen, der mit Stroh bedeckt, und wir haben nicht genügend Decken, um uns zu wärmen... Die Richter haben uns von Zeit zu Zeit feierlich mitgeteilt, dass sie wissen, dass wir unschuldig sind und freigelassen werden sollten, aber sie wagten es nicht, uns Recht geschehen zu lassen, weil sie den Mob fürchten.

Auszug nach Illinois

Während der Prophet im Gefängnis saß, überquerten mehr als 8000 Heilige den Missouri ostwärts nach Illinois, um dem Ausrottungsbefehl zu entgehen. Sie waren gewungen, im kältesten Winder aufzubrechen. Brigham Young, der Präsident der zwölf Apostel, führte die Heiligen an und gab ihnen jede erdenkliche Hilfe. Trotzdem litten sie sehr. Lyman Omer Littlefield schreibt darüber:

Ich erinnere mich noch gut an die Leiden und Beschwernisse jener Tage... Unsere Familie besaß nur einen Wagen und ein blindes Pferd - mehr Zugtiere hatten wir nicht - und das eine blinde Pferd musste unsere Habe in den Staat Illinois transportieren. Mit einem Bruder, der zwei Pferde besaß, tauschten wir unseren Wagen gegen einen leichten Wagen, der von nur einem Pferd gezogen werden konnte, und so war beiden Familien geholfen. In diesem kleinen Wagen verstauten wir unsere Kleidung, Bettzeug, etwas Maismehl und die paar Vorräte, die wir zusammenbrachten. Dann begannen wir unsere Reise zu Fuß durch die Kälte und durch den Frost. Wir aßen und schliefen am Wegrand mit dem Himmelszelt als Zudecke. Der beißende Frost in den Nächten und der schneidende Wind waren nicht halb so schlimm und mitleidslos wie die Dämonen in Menschengestalt, vor deren Zorn wir flohen... Unsere Familie, so wie viele andere, war so gut wie barfuß, und einige wickelten sich Stoffreste um die Füße, damit sie vor dem Frost und dem gefrorenen Boden geschützt waren. Dies war aber nur ein ungenügender Schutz, und oft hinterließen unsere Füße auf dem gefrorenen Boden eine blutige Spur. Meine Mutter und meine Schwester waren die einzigen in unserer Familie, die Schuhe besaßen, aber noch bevor wir die gastfreundlichen Ufer von Illinois erreichten, waren die Schuhe abgelaufen und so gut wie nutzlos."

Der Prophet saß im Gefängnis und konnte nicht helfen, als sein Volk aus dem Bundesstaat vertrieben wurde. Mit welcher Seelenqual er zum Herr fleht, geht aus LuB 121:1-2 hervor.

O Gott, wo bist du? Und wo ist das Gezelt, das dein Versteck bedeckt?
Wie lange noch wird deine Hand sich zurückhalten und dein Auge, ja, dein reines Auge, von den ewigen Himmeln her das Unrecht ansehen, das deinem Volk und deinen Knechten widerfährt, und dein Ohr von ihrem Schreien durchdrungen werden?

Der Herr antwortete mit tröstenden Worten:

Mein Sohn, Friede sei deiner Seele; dein Ungemach und deine Bedrängnisse werden nur einen kleinen Augenblick dauern, und dann, wenn du gut darin ausharrst, wird Gott dich in der Höhe erhöhen; du wirst über alle deine Feinde triumphieren. Deine Freunde stehen doch zu dir, und sie werden dich wieder willkommen heißen, mit warmem Herzen und freundlicher Hand. (LuB 121:7-9)

Im April 1839 erfüllten sich die Worte des Herrn buchstäblich. Nachdem die Gefangenen sechs Monate gesetzwidrig gefangengehalten worden waren, brachte man sie wegen eines Wechsels der zuständigen Gerichtsbarkeit zunächst nach Gallatin in Kreis Davies in Missouri und dann nach Columbia und Kreis Boone. Sheriff Morgan hatte aber die Anweisung, sie unter keinen Umständen in den Kreis Boone zu bringen. Eine oder mehrere einflussreiche Pesonen hatten entschieden, dass die Gefangenen die Möglichkeit bekommen sollten zu fliehen. Vielleicht wollte man auf diese Weise eine öffentliche Bloßstellung umgehen, die unvermeidbar gewesen wäre, wenn die Gefangenen vor Gericht gestellt worden wären und man keinen Anklagegrund gegen sie gehabt hätte. die Gefangenen bekamen die Möglichkeit, zwei Pferde zu kaufen und ihren Wachen zu entkommen. Hyrum Smith sagte: Wir nutzen den Wechsel der zuständigen Gerichtsbarkeit und gelamgten in den Bundesstaat Illinois, und nach neun zehn Tagen kamen wir ohne Schaden in Quincy, Kreis Adams an. Wir fanden unsere Familien in Armut, aber bei guter Gesundheit vor. Sie wurden mit warmem Herzen und freundlicher Hand willkommengeheißen.

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