Altes Testament

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Inhaltsverzeichnis

Entstehen und Wachstum

Zur Zeit des irdischen Wirkens unseres Herrn und Meisters besaßen die Juden gewisse Schriften, die sie als bindende Richtschnur in Glauben und Lehre betrachteten. Die Echtheit dieser Werke kann wohl nicht angezweifelt werden, denn sowohl Christus als auch die Apostel führten sie häufig an und bezeichneten sie als „Die Schrift” (Joh. 5:39; Apg. 17:11) Der Heiland besonders verweist auf sie unter ihren anerkannten Gruppenbezeichnungen: das Gesetz Moses, die Propheten und die Psalmen (Siehe Luk. 24:44.). Von den Büchern, die das Volk zur Zeit Christi als heilig anerkannte, wird manchmal auch gesprochen als von jüdischen Kirchengesetzbüchern (dem Kanon). Der heute allgemein gebräuchliche Ausdruck „Kanon” deutet nicht nur auf bloß glaubwürdige oder bindende, ja nicht einmal auf lediglich inspirierte Bücher hin, sondern auf solche Bücher, die als bevollmächtigte, verpflichtende Führer in Sachen des Glaubens und des Lebens vorbehaltlos anerkannt werden. Der Ausdruck ist in seiner Ableitung lehrreich. Das griechische Urwort „Kanon” bezeichnete eine straffgespannte Meßschnur, daher auch die Bedeutung als eines Maßstabes, einer festen Regel, eines Prüfsteines, sowohl in sittlichen als auch in weltlichen Angelegenheiten.

Über die Entstehung der alttestamentlichen Bücher lesen wir, daß dose den ersten Teil davon — das Gesetz — schrieb. Er anvertraute ihn der Obhut der Priester und der Leviten mit dem Gebot, ihn in der Bundeslade (Siehe 5. Mose 31:9, 24—26. ) aufzubewahren als ein Zeugnis gegen Israel, für den Fall der Übertretung. In der Voraussicht, daß eines Tages ein König über Israel herrschen werde, ordnete Mose dann weiter an, daß sich der Herrscher eine Abschrift des Gesetzes zu seiner persönlichen Wegleitung anfertigen lassen sollte (Siehe 5. Mose 17:18].. Josua, der Nachfolger Moses als Führer des Volkes, schrieb Weiteres über den Verkehr Gottes mit den Menschen und über göttliche Vorschriften nieder und fügte es offenbar dem von Mose verfaßten Gesetz an.(Siehe Jos 24:26) Etwa 350 Jahre nach Mose, als die Theokratie (Gottesregierung) der Monarchie Platz gemacht hatte, schrieb Samuel, der bewährte Prophet des Herrn, von dieser Änderung „in ein Buch und legte es vor den Herrn” (1. Sam 10:25). Auf diese Weise wurde das Gesetz Moses durch die nachfolgenden maßgebenden Urkunden erweitert. Aus den Schriften des Propheten Jesaja geht hervor, daß das Volk Zutritt zum „Buche des Herrn” hatte, ermahnte doch der Prophet die Israeliten, darin zu lesen und zu forschen! (Siehe Jes 34:16) Es ist also augenscheinlich, daß das Volk zur Zeit des Propheten Jesaja in Sachen des Glaubens und des Lebens eine geschriebene Richtschnur besaß.

Nahezu 400 Jahre später (in den Jahren 640 bis 630 v. Chr.), während der gerechte König Josia den Thron Judas — eines Bruchstückes des zerteilten Israels — einnahm, fand der Hohepriester HIlkia, der Vater des Propheten Jeremia, im Tempel „das Buch der Gesetze des Herrn”( 2. Chron. 34:14, 15; siehe auch 5. Mose 31:36.), welches von den Königen gelesen wurde(Siehe 2. Kün 22:8-10). In den Tagen Esras — im 5. Jahrhundert v. Chr. — erlaubte ein Erlaß des Königs Cyrus dem gefangenen Volk Juda. — dem Überbleibsel des einst so mächtigen und geeinigten Israels — nach Jerusalem zurückzukehren (Siehe Esra 1:1—3), um dort den Tempel des Herrn wieder aufzubauen, und zwar in Übereinstimmung mit dem Gesetz des Herrn (Siehe Esra 7:12—14.), das sich in den Händen Esras befand. Daraus dürfen wir schließen, daß das geschriebene Gesetz damals bekannt war. Esra ist es auch, dem allgemein das Verdienst zugebilligt wird, die Bücher des Alten Testamentes, soweit sie zu seiner Zeit schon abgeschlossen vorlagen, zusammengestellt zu haben, wobei er ihnen seine eigenen Schriften anfiigte (Siehe Das Buch Esra). Bei dieser Arbeit halfen ihm wahrscheinlich Nehemia und die Mitglieder der Großen Synagoge, ein Rat von 120 jüdischen Gelehrten (Diese geschichtliche Angabe wird in gewissen apokryphischen Büchern gemacht; siehe 2. Esra) Vorn Buche Nehemia, das eine Fortsetzung des von Esra angefangenen geschichtlichen Berichtes darstellt, wird angenommen, daß es der Prophet, dessen Namen es trägt, wenigstens teilweise noch zu Lebzeiten Esras geschrieben hat. Ein Jahrhundert später fügte sodann noch Maleachi (Mal., Kap. 3, 4.), der letzte bedeutende Prophet vor der Eröffnung der Dispensation Christi, seinen Bericht hinzu und beschloß die Reihe der vorchristlichen Kirchenbücher mit einer prophetischen Verheißung des Messias und jenes Boten, dessen Sendung es sein werde, den Weg des Herrn zu bereiten — insbesondere betreffs der letzten Tage, in denen wir heute leben.

So liegt es auf der Hand, daß sich das Alte Testament durch die sich folgenden Schriften von bevollmächtigten und erleuchteten Schreibern von Mose bis auf Maleachi vergrößerte und daß seine Sammlung ein natürlich fortschreitender Vorgang war, wobei jeder neue Zusatz mit den vorherigen Schriften zusammen aufbewahrt, oder, wie die Schrift es nennt, .,vor den Herrn gelegt" wurde. Ohne Zweifel kannten die Juden noch viele andere Bücher, die in unserem gegenwärtigen Alten Testament gar nicht enthalten sind: Hinweise auf solche finden sich in der Heiligen Schrift selbst genügend, um darzutun, daß manche dieser außerkanonischen Urkunden als glaubwürdig und echt galten. Hierüber soll aber in Verbindung mit den Apokryphen noch etwas gesagt werden. Die in den jüngeren Büchern zahlreich enthaltenen Hinweise auf die älteren, sowie die vielen Anführungen des Alten Testamentes im Neuen, beweisen die anerkannte kirchengesetzliche Gültigkeit der alttestamentlichen Bücher. Etwa 230 Anführungen oder direkte Hinweise sind gezählt worden, ohne die vielen Hunderte von weniger direkten Anspielungen

Die Sprache des Alten Testamentes

Beinahe alle Bücher des Alten Testamentes waren ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben. Es gibt zwar Gelehrte, die Anhaltspunkte dafür gefunden haben wollen, daß kleine Teile der Bücher Esra und Daniel in der chaldäischen Sprache geschrieben worden sind, aber das Überwiegen des Hebräischen als Sprache der Urschriften hat dem Alten Testament seine allgemeine Bezeichnung als der „hebräische” oder „jüdische” Schriftkanon gegeben. Vom Pentateuch werden zwei Übertragungen anerkannt: die eigentliche hebräische und die samaritische17; diese, mit den ältesten Schriftzeichen des Hebräischen, wurde von den Samaritern aufbewahrt, die bekanntlich mit den Juden in Feindschaft lebten.

Die Septuaginta und der Peschito

Als bedeutende Übersetzung des hebräischen Kanons anerkennen wir zuerst die unter dem Namen Septuaginta bekannte t8. Es ist dies jene griechische Übertragung des Alten Testaments, die auf Veranlassung eines ägyptischen Herrschers — wahrscheinlich Ptolomäus Philadelphus — etwa ums Jahr 286 v. Chr. zustandekam. Der Name Septuaginta deutet auf die Zahl 70 hin. Es wird gesagt. diese Bezeichnung sei darauf zurückzuführen, daß die Übersetzung von 72 Ältesten — rund 70 — besorgt wurde; andere Überlieferungen wollen den Grund darin sehen, daß die Arbeit einen Zeitraum von 70 oder 72 Tagen beanspruchte; wieder andere führen den Namen darauf zurück, daß diese Übersetzung die Genehmigung und Bestätigung des jüdischen Kirchenrats erhalten habe, des Sanhedrins, der aus 72 Mitgliedern bestand. Sicher ist, daß die Septuaginta, die manchmal auch mit der Ziffer LXX bezeichnet wird, zur Zeit Christi bei den Juden die gebräuchlichste Übersetzung war und vom Heiland und seinen Aposteln bei ihren Hinweisen auf die alttestamentliehen Bücher benutzt wurde. Die Septuaginta erachtet man als die zuverlässigste der alten Übersetzungen, und sie wird heute von der griechisch-katholischen und anderen Kirchen des Ostens als maßgebend anerkannt. Es ist erwiesen, daß das Alte Testament schon ungefähr 300 Jahre vor Christus in der hebräischen und in der griechischen Sprache in Gebrauch war. Diese Verdoppelung hat sich als wirksamer Schutz gegen Änderungen des Wortlautes erwiesen.

Eine andere Sammlung, der Peschito, soll auch aus einer frühen, allerdings unbestimmten Zeit stammen; sie wird als „die älteste syrische Übertragung der Bibel” erwähnt und enthält die kanonischen Bücher des Alten Testaments, dazu viele neutestamentliehe, jedoch nicht den 2. Petri-, den 2. und 3. Johannes- und den Judas-Brief sowie die Offenbarung Johannes. Der Peschito wird von den Gelehrten als von zweifelhaftem Wert betrachtet.

Die gegenwärtige Sammlung anerkennt 39 Bücher des Alten Testamentes. Ursprünglich erschienen diese als 22 zusammengefaßte Bücher, ensprechend den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Die 39 Bücher, wie sie uns heute vorliegen, können in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Der Pentateuch oder die Gesetzbücher: 5
  • Die geschichtlichen Bücher: 12
  • Die poetischen Bücher: 5
  • Die Bücher der Propheten: 17

Die Gesetzbücher

Die ersten fünf Bücher der Bibel erscheinen unter dem Sammelnamen ,.Der Pentateuch" (pente = fünf, teuxos = Buch). Sie waren den alten Juden als die „Thorah” oder als das Gesetz bekannt. Ihre Verfasserschaft wird von der Überlieferung dem Propheten Niese zugeschrieben (Siehe Esra 6:18; 7:6; Nch. 8:1; Joh. 7:19.), daher auch der andere, allgemein gebräuchliche Name „Die fünf Bücher Mose”. Sie geben, wenn auch nur in abgekürzter Form, die Geschichte der Menschheit von der Schöpfung bis zur Sintflut und von Noah bis auf Israel wieder; dann einen ausführlichen Bericht von den Israeliten während ihrer ägyptischen Knechtschaft und weiter von der vier Jahrzehnte dauernden Wanderung des Volkes in der Wüste bis zu seiner Lagerung an den fernen Ufern des Jordans.

Die geschichtlichen Bücher

12 an der Zahl, umfassen die folgenden: Josua, Richter, Ruth, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, 1. und 2. Chronika, Esra, Nehemia und Esther. Sie berichten über die Geschichte der Israeliten, wie sie in das Land der Verheißung einzogen, und ihr nachheriges Ergehen während drei bestimmten Zeitabschnitten, 1. als ein Volk unter der Gottesherrschaft (Theokratie), mit einer Behörde von Richtern, alle Teile des Volkes zusammengehalten, 2. als eine Monarchie, zunächst ein geeinigtes Reich, später eine Nation, die in sich selbst uneins wurde, 3. als ein teilweise unterjochtes und besiegtes Volk, in seiner Unabhängigkeit beschränkt durch seine Besieger.

Die Poetischen Bücher

Das Buch Hiob, die Psalmen, die Sprüche Salomos, der Prediger Salomo, das Hohelied Salomes. — Häufig wird von ihnen auch als von den „Lehrbüchern” gesprochen. Die griechische Bezeichnung „Hagiographa” (hagios = heilig, grapha = etwas Geschriebenes) ist heute noch im Gebrauch 20. Diese Bücher stammen aus weit auseinanderliegenden Zeitaltern. Ihre Vereinigung mit der Bibel ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß sie in den jüdischen Kirchen allgemein als Wegleitung für die Gottesdienste und Andachten dienten.

Die Bücher der Propheten

umfassen die größeren Werke der Propheten Jesaja, Jeremia (mit seinen Klageliedern), Hesekiel und Daniel, die gewöhnlich als die Bücher der vier „Großen Propheten” bekannt sind. Dazu kommen die 12 kleineren Schriften der Propheten Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jena, Micha, Nahum, Habakuk, Zephania, Haggai, Sacharja und Maleachi — die sogenannten „Kleinen Propheten”. In diesen prophetischen Büchern haben wir das gewichtige Wort des Herrn an Sein Volk in der Zeit vor, während und nach der Gefangenschaft, und zwar in ermutigenden, tröstenden, warnenden und strafenden Worten, wie es der jeweilige Zustand des Volkes verlangte.

Die Apokryphen

Die Apokryphen sind Bücher, deren kirchliche Rechtsgültigkeit zweifelhaft ist, obschon sie zu Zeiten hoch geschätzt wurden. So sind sie z. B. der Septuaginta beigegeben und eine Zeitlang wurde ihnen von den alexandrinisehen Juden Rechtskraft beigelegt. Wegen ihrer zweifelhaften Herkunft fanden sie jedoch nie allgemeine Anerkennung. Im Neuen Testament werden sie auch nirgends angeführt. Die Bezeichnung „apokryphisch” (== geheim, verschwiegen) wurde zuerst von Hieronymus auf diese Bücher angewandt. Die römisch-katholische Kirche erklärt, die Apokryphen als heilige Schriften anzuerkennen, weil das Konzil von Trient (1546) einen dahingehenden Beschluß gefaßt hat; dessenungeachtet dürfte aber auch unter den Führern dieser Kirche noch immer ein gewisser Zweifel bestehen hinsichtlich der kirchlichen Rechtsgültigkeit dieser Bücher. In der Kirchenverfassung der Englischen Kirche lautet der 6. Artikel über die rechtgläubigen Ansichten der Kirche betreffs Bedeutung und Zweck der Heiligen Schrift — nachdem zuerst die als kanonisch betrachteten Bücher des Alten Testaments ausgezählt werden — wie folgt: „Und die anderen Bücher werden — .wie auch Hieronymus sagt — von der Kirche gelesen als Muster fürs tägliche Leben und als Unterweisung in Sitte und Brauch, aber sie werden nicht benützt, um damit irgendeine Lehre zu verteidigen; zu diesen Büchern zählen die folgenden: das 3. Buch Esra, das 4. Buch Esra, das Buch Tobias, das Buch Judith, Stücke zu Esther, die Weisheit Salomos, das Buch Jesus (des Sohnes Sirachs), das Buch Baruchs des Propheten, der Gesang der drei Männer im Feuerofen, die Geschichte von Susanna und Dariel, vom Drachen zu Babel, das Gebet Manasses, das 1. Buch der Makkabäer, das 2. Buch der Makkabäer.”

verwendete Quellen

externe Links

Fairwiki:

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zusätzliches Material

  • Der Stern Mai 1973 S. 215: Das alte Testament für Menschen unserer Zeit von Cleon Skousen
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